Finnland. Cool.
Frankfurter Buchmesse.
Ehrengast 2014.

Finnland macht Frankfurt cool

Frankfurt 25.6.2014 — Schnörkellos, kreativ und auf den Punkt „cool“ – so inszenierte sich heute Finnland, der diesjährige Ehrengast der Frankfurter Buchmesse im Frankfurter Literaturhaus. Passend zum Motto der Ehrengastpräsentation Finnland.Cool. präsentierten die Finnen ihr literarisches und kulturelles Programm mit einer „stand-up“ Performance. Ebenso unkompliziert und gelassen soll der Auftritt im Herbst das Publikum in Frankfurt ĂĽberraschen und begeistern.

Als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (8.-12. Oktober 2014) lädt in diesem Jahr Finnland zu einem coolen Abenteuer und bringt neben 130 Neuerscheinungen in deutscher Sprache, mehr als 50 Autorinnen und Autoren aus nahezu jedem literarischen Genre nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz, um Literatur aus Finnland nachhaltig vorzustellen. Neu, mutig, verrückt und überraschend sind die Attribute, die die Ehrengastpräsentation 2014 auszeichnen werden. Finnland.Cool. lautet das Motto der Präsentation, in deren Zentrum die finnische Literatur und das Lesen steht. Aber auch zahlreiche Kulturveranstaltungen und Ausstellungen werden das kulturelle Finnland vorstellen.

„Literatur gehört allen und sollte überall erreichbar sein. Deswegen bringen wir finnische Literatur und finnische Bücher nach Frankfurt, zu den literarischen Orten der Stadt, in städtische Saunas, private Wohnungen oder in die Klubs. Wir haben sogar in Zusammenarbeit mit dem finnischen Goethe-Institut ein Saunamobil organisiert“, erläutert Iris Schwanck, die Direktorin von FILI (Finnish Literature Exchange) und Leiterin der Ehrengastpräsentation in Frankfurt.

„Was mich am finnischen Gastlandauftritt fasziniert, ist die Leichtigkeit und auch die Konsequenz, mit welcher Finnland Bildung und Kultur als unzertrennliche Einheit präsentiert“, so Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. „Als erstes Gastland organisieren die Finnen auf der Messe auch einen Nationalstand im Bildungsbereich der Halle 4.2. Diese Haltung signalisiert für mich das große Vertrauen in die Zukunft der finnischen Gesellschaft als auch den Respekt vor ihrer Tradition. Wir erleben ein „Lehrstück“ im besten Sinne.“

Das Literaturprogramm der Finnen konzentriert sich nicht nur auf die Mainmetropole, finnische Autoren werden sich an rund 25 Literaturevents im deutschsprachigen Raum beteiligen. Eines der literarischen Highlights in Frankfurt ist sicher ein Abend mit der finnisch-estnischen Bestsellerautorin Sofi Oksanen (Als die Tauben verschwanden) am 8. Oktober im Schauspiel Frankfurt. Alles andere als „kühl“ wird der literarische Auftritt der Finnen dann, wenn in den Tagen der Buchmesse ein finnischer Autor oder eine Autorin eine der öffentlichen Saunen Frankfurts betritt und den Besuchern einen literarischen Aufguss verabreicht. Der „poetische Aufguss“ ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Goethe-Institut Finnland und wird zwischen dem 7. und 12. Oktober an unterschiedlichen Orten in der Frankfurter City stattfinden. Zu spontanen poetischen Saunabegegnungen kann es auch im Rahmen des Projekts „Schweiß & Sauna“ der jungen finnischen Spoken Word-Szene kommen, die zwischen dem 7. und 10. Oktober mit einem zum Saunamobil umgebauten Feuerwehrwagen einen poetischen Roadtrip durch Deutschland unternehmen wird. Das Mobil wird auch in Frankfurt Station machen. In der Frankfurter Stadtbibliothek wird es verschiedene Ausstellungen z.B. zur finnischen Literaturgeschichte oder zu finnischen Kinderbuchillustrationen geben. Außerdem sind Lesungen und Diskussionen zu Themen wie Finnlandkrimis, Minderheitenliteratur, Lesen oder Bibliothekswesen in Planung.

„Wenn wir über finnische Literatur sprechen, wird oft vergessen, dass wir eigentlich zwei „Literaturen“ haben – die finnische und die schwedische Literatur. Beide leben für sich selbst. Nur wenn über die Mumin Trolle von Tove Jansson gesprochen wird, sind wir eine Einheit“, so Maria Antas und Tiia Strandén, beide verantwortlich für das literarische Programm des Ehrengastes.

Auf dem Messegelände wird Finnland überall sichtbar sein. Die Ehrengastpräsentation wird traditionell im Forum Messe zu finden sein. Das erste Mal in der Geschichte der Frankfurter Buchmesse wurden für die Gestaltung keine namhaften Architekten beauftragt. Vielmehr wurde diese in die Hände von Studierenden aus dem Masterstudiengang Raum- und Möbeldesign an der Aalto-Universität Helsinki gelegt. Dem Slogan Finnland.Cool. folgend bildet eine finnische Winterlandschaft mit Eis und Schnee den Ausgangspunkt der Ausstellung. Davon ausgehend verbinden sich die Ruhe und Reinheit Finnlands zu einem Raumkonzept mit sechs Rotunden, die individuelle Räume mit unterschiedlichen Stimmungen und Inhalten, wie etwa Ausstellungen, eine Bühne mit Zuschauerraum oder ein Café beherbergen. Ihre Inspiration bei der Raumkonzeption erklärten die Designer anhand der zahlreichen Bibliotheken und Parklandschaften Finnlands:

„Wie ein finnischer Park, soll der Finnland.Cool. Pavillon als Erholungsstätte inmitten der großen, hektischen Messe dienen. Er soll die Besucher einladen, eine Reise in die Welt der finnischen Literatur zu unternehmen, dabei können sie entspannt unter einem Blätterdach mit einem Buch Platz nehmen oder selbst aktiv werden.“

Die finnische Verlagswelt wird mit zwei Nationalständen auf der Messe vertreten sein: Mit 37 finnischen Verlagen am Stand des finnischen Verlegerverbandes in Halle 5 und sechs Verlagen am Stand der Bildungs- und Schulbuchverlage in Halle 4.2. Typisch finnisch wird auch der Büchereibus auf der Agora der Messe sein, der zu Ehren des 100. Geburtstages der berühmten finnischen Autorin, Grafikerin und Malerin Tove Jansson ein Mumin-Gewand tragen wird. Finnlands Hauptstadt Helsinki können die Messebesucher u.a. in einem Park entdecken, der auf der Agora angelegt wird.

Neben der Literatur gehört zum Gastlandprojekt der Finnen auch ein lebendiges, „cooles“ Kulturprogramm, das in Frankfurt realisiert wird. Den Auftakt dazu bildet die Ausstellung Matters of time. Artists from Finland, die zeitgenössische Kunst aus Finnland schon ab dem 25. Juli im Kunstverein Frankfurt präsentiert.

Zwei umfangreiche Serien mit finnischen Filmen zeigt das Filmmuseum Frankfurt. Mit der Filmreihe Carte blanche wurde der große alte Mann des finnischen Kinos, Peter von Bagh, eingeladen, zehn seiner Filme auszuwählen, die dann vom 8. bis 31. Oktober im Filmmuseum zu sehen sein werden. Daneben wird es eine vollständige Aki-Kaurismäki-Retrospektive (29.8.-8.10.2014) geben.

Das Deutsche Architekturmuseum organisiert vom 5.9. bis 26.10. die Ausstellung Suomi Seven – Junge Architekten aus Finnland. Einen modernen Klassiker der finnischen Fotografie zeigt die AusstellungsHalle der Stadt Frankfurt ab 25.9. mit der Ausstellung Maailman ihanin tyttö / The Loveliest Girl in the World ein Projekt der Künstlerin und Pädagogin Miina Savolainen. Zum Teil noch nie öffentlich gezeigte Werke der finnischen Malerin Helene Schjerfbeck werden ab 1. Oktober in der Schirn Kunsthalle zu sehen sein.

Run Wild Stay Cool – ein Festival des zeitgenössischen finnischen Tanzes wird es ab dem 4.10. im Mousonturm geben, wo sich vier verschiedene Ensembles mit aktuellen Produktionen präsentieren. Die Autorin und Künstlerin Rosa Liksom wird am 5.10. ihre Ausstellung Burka im Haus am Dom eröffnen. Mit ihren Fotos will sie neue Perspektiven auf das Thema Gleichberechtigung erschließen.

Der berĂĽhmte finnische Tango darf natĂĽrlich auch in Frankfurt nicht fehlen: Im Literaturhaus Frankfurt wird es kurz vor Messebeginn am 6. Oktober einen literarischen Tangoball geben, bei dem man zur Musik das Tango-Orchesters Unto in die Geheimnisse der finnischen Tangoschritte eintauchen kann.

Darüber hinaus präsentiert das Finnland-Institut in Deutschland ein umfangreiches kulturelles Satellitenprogramm mit Musik, Design, bildenden Künsten und Diskussionen, das seit Jahresbeginn an über 30 Orten im deutschsprachigen Raum realisiert wird.

Ein Mittsommernachtstraum

niemensivuExperimentierfreudig, umtriebig und bestens organisiert – so lässt sich die finnische Comic-Szene charakterisieren. In den letzten Jahren haben sich junge Zeichnerinnen und Zeichner etabliert, deren Bücher weltweit verlegt werden. Wenig Aufmerksamkeit haben die inhaltlich und stilistisch ungewöhnlichen Erzählungen bislang in Deutschland erfahren – was sich durch den finnischen Gastlandauftritt auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ändern mag. Im Vorfeld dazu zeigen junge finnische Comic-Künstler, neben Tiitu Takalo, Mika Lietzén und Reetta Niemensivu, die beide mit Beiträgen im vor Kurzem erschienenen „Comic Atlas Finnland“ vertreten sind, eine Auswahl ihrer Arbeiten.

Eine Ausstellung in Kooperation mit FILI – Finnish Literature Exchange.

Ein Mittsommernachtstraum – Junge Comics aus Finnland | Ausstellung im Rahmen des Internationalen Comic Salon Erlangen 2014 | Kunstverein – Neue Galerie | 19. bis 22. Juni | Ă–ffnungszeiten: Do 12–19, Fr/Sa 10–19, So 10–18 Uhr | www.comic-salon.de

Finnische Comic-KĂĽnstler und Experte zu Gast in Erlangen:

Tiitu Takalo (*1976)
Tiitu Takalo ist Comic-Zeichnerin, visuelle KĂĽnstlerin, Illustratorin und Feministin. Sie wird als eine der talentiertesten finnischen Comic- KĂĽnstlerinnen ihrer Generation angesehen. In ihren Comics behandelt sie Themen wie Weiblichkeit, zwischenmenschliche Beziehungen, Aktivismus, Punkrock und alternative Lebensformen. Takalo bevorzugt Handarbeit in ihrer Kunst und verwendet traditionelle Methoden wie Wasserfarben. www.tiitutakalo.net

Mika Lietzén (*1974)
Mika Lietzén hat eine äußerst ausdrucksstarke und dennoch einfache Strichumsetzung, mit der er Geschichten aus dem alltäglichen Leben, mit all seinen Höhen und Tiefen, von Menschen und ihrem Miteinander, zu erschaffen vermag. Das urbane Milieu und die detailreichen und präzise festgehaltenen Beobachtungen erfüllen Lietzéns Arbeiten mit Leben. Lietzén ist gemeinsam mit Ville Ranta Mitbegründer des Asema Verlags, der Comics publiziert.

Reetta Niemensivu (*1979)
Die Geschichten von Reetta Niemensivu hätten der finnischen Romantikfilmindustrie (Suomi-filmi) der 1950er-Jahre viel Material geliefert. Ihre Arbeiten umfassen romantische Erzählungen und Geistergeschichten sowie Ereignisse aus dem Leben ihrer Familie und der vergangenen Jahrzehnte. Niemensivu hat Grafikdesign studiert und verbindet geschickt Tintenzeichnung, Wasserfarbe, Schatten und Bildverarbeitung in ihrer Kunst.

Kalle Hakkola (*1971)
Kalle Hakkola ist Leiter der Finnish Comics Society Helsinki, der wichtigsten Comic-Organisation in Finnland, die internationale Projekte und Ausstellungen sowie das Helsinki Comic Festival organisiert. Er ist zudem einer der Gründer des Helsinki Comics Center, das Unterrichtsprogramme, Ausstellungen, ein Café sowie internationale Kooperationen betreibt.

100 Jahre Tove Jansson – Die Mumins in Erlangen

Ausstellung im Rahmen des Internationalen Comic Salon Erlangen 2014muumi

Tove Jansson gehörte zu den bekanntesten Schriftstellerinnen Finnlands. Häufig verbrachte sie den Sommer mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in einem kleinen Häuschen am Meer. Diese Umgebung beeinflusste die Entstehung ihrer bekanntesten Figuren, der Mumin-Trolle. 1948 bat der Verleger der Associated Press Tove Jansson darum, einen regelmäßig erscheinenden Strip für seine Zeitung daraus zu machen. Die Mumins folgen stets ihrer Neugier und lassen ihrem Spieltrieb freien Lauf. Dadurch geraten sie manchmal in die Klemme, gehen aber nie unter. Freundschaft und Familiensinn sind im Mumin-Tal viel wichtiger als Ordnung und Strebsamkeit. Und fast jede Geschichte endet mit einer großen Party – dafür muss man sie doch einfach lieben!

Eine Ausstellung in Kooperation mit FILI – Finnish Literature Exchange und Moomin Characters Ltd. | Rathaus, Kleiner Ratssaal, 1. Stock | 19. bis 22. Juni | Öffnungszeiten: Do 12–19, Fr/Sa 10–19, So 10–18 Uhr | www.comic-salon.de

Der finnische Buchmarkt 2013

Lehr- und Sachbücher bestimmen zwei Drittel des Umsatzes – eBook-Downloads nehmen zu – zur Frankfurter Buchmesse werden 130 Neuerscheinungen in Deutsch erwartet.

Helsinki/Frankfurt, 10. Juni 2014. Rund 5.000 literarische Neuerscheinungen (ohne Lehrbücher) brachte Finnland 2013 auf den Markt. Rund 71,3 Prozent davon waren Erstauflagen, darunter 340 Übersetzungen aus dem Bereich Fiktion, 577 Kinderbuch- und 98 Jugendbuchtitel. Der Ehrengast der diesjährigen Buchmesse Finnland wird rund 130 Neuerscheinungen in deutscher Übersetzung mit nach Frankfurt bringen.

Mit einem Nettogesamtumsatz von 253,6 Mio. Euro in 2013 war der Buchmarkt in Finnland leicht rückläufig (-3,6%) gegenüber dem Vorjahr (2012: 263,0 Mio. Euro). Der Löwenanteil entfiel dabei auf Druckerzeugnisse, nur rund sieben Prozent lassen sich digitalen Produkten zuordnen (+1,7 Prozent). Rund ein Drittel (34,7%) sicherte sich der Bereich Lehrbücher mit einem Umsatz von 88,1 Mio. Euro, ein zweites Drittel (33,1%) lässt sich den Sachbüchern mit 83,9 Mio. Euro zuweisen. Das letzte Drittel entfällt auf die Unterhaltungsliteratur und teilt sich in Fiktion 40,9 Mio. Euro (16,2%), Kinder- und Jugendbuch 30,9 Mio. Euro (12,2%) und Comic 9,7 Mio. Euro (3,8%).

Die rund 5.836 in Finnland tätigen Verlage, produzierten im vergangenen Jahr rund 20,3 Millionen Bücher (-11%), einschließlich Lehrbücher und Audio-Books. Der Buchproduktion gegenüber steht eine Landesbevölkerung von 5,4 Millionen Finnen.

Zu den Bestsellern in Finnland zählten in 2013 u.a. die finnlandschwedische Autorin Ulla-Lena Lundberg mit ihrem Roman ”Is” (Eis), für den sie mit dem Finlandia Preis 2012 ausgezeichnet wurde. Das Werk, das sich über sechs Monate in den finnischen Top 10 halten konnte, wird in deutscher Übersetzung im August im mareverlag erscheinen. Über fünf Monate konnte sich in Finnlands Belletristik- Charts ”Rautakolmio” (Wer ohne Schande ist) von Leena Lehtolainen halten. Die neue Story um die finnische Kommissarin Maria Kallio erscheint Ende August bei Rowohlt in deutscher Sprache. Ebenfalls in Finnland beliebt: das neue Werk der estnisch-finnischen Bestsellerautorin Sofi Oksanen ”Kun kyyhkyset katosivat” (Als die Tauben verschwanden), das sich mit dem Widerstand und der Kollaboration in der Zeit der Besatzung Estlands während und nach des Zweiten Weltkriegs beschäftigt und 2014 in Deutsch bei Kiepenhauer & Witsch erscheinen wird. Als literarisches Phänomen gilt ”Kätilö” (Wildauge) von Katja Kettu. Ihr Roman, der zur Zeit des zweiten Weltkrieges in Lappland spielt, wurde in Finnland mehr als 80.000-mal verkauft und soll in deutscher Übersetzung zur Frankfurter Buchmesse im Galiani Verlag erscheinen. Größtes Interesse bringen die Finnen auch ihren Comic-Künstlern entgegen. Nach Angaben von FILI waren 2013 zwei der zehn kommerziell erfolgreichsten Bücher in Finnland Comics.

Das Interesse am Lesen per eReader steigt in Finnland, obschon der Markt fĂĽr e-Books und Lesevorrichtungen insgesamt noch in den Kinderschuhen steckt. Im vergangenen Jahr wurden 1.138 neue eBook-Titel (2012: 678) herausgegeben, was einem Plus von 67,8 Prozent entspricht. Davon entfallen 848 eBooks in den Bereich der literarischen Werke, weitere 290 auf Bildungsmaterialien.

 

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Finnische Comicliteratur erobert Deutschland

Neben der herkömmlichen belletristischen Literatur fokussiert sich das Gastland Finnland auf der Frankfurter Buchmesse 2014 auch auf seine aktive und international renommierte Comicszene

Frankfurt, 03. Juni 2014 – Farbenfroh, jung und lebendig. So kann Finnlands Literaturszene grob umschrieben werden und dieses Image portraitiert keine andere Literaturgattung so treffend wie die der Comics. Was von der Nachkriegszeit bis in die frühen Siebziger mit den Mumins von Tove Jansson begann, wird heute von Künstlern aus der modernen Comicszene wie Ville Tietäväinen expressiv und experimentierfreudig fortgesetzt.

An diesen beiden Beispielen wird auch die thematische und gestalterische Bandbreite des finnischen Comics deutlich. Die Welt von Tove Janssons Mumins ist geprägt von Alltagsproblemen und äußeren Bedrohungen des Mumintals, doch auch fröhliche Abenteuer sind Teil des Muminuniversums. Dabei werden Toleranz und ein freundliches Miteinander vermittelt. Die in den Geschichten der Mumins dargestellten Konflikte und Lösungsansätze sind nahezu zeitlos und können in die Gegenwart übertragen werden. Ville Tietäväinen wird in seiner Arbeit viel konkreter. Er versucht in seinen Comics gesellschaftlich aufzuklären, äußert sich sozialkritisch wie politisch. Seine Geschichten behandeln konkrete Themen, denen er in seinen Graphic Novels gestalterisch und thematisch auf den Grund zu gehen versucht.

„Finnische Comicautoren sind für ihre anspruchsvolle visuelle Gestaltung und zeichnerische Qualität bekannt. Zeichner wie Ville Tietäväinen arbeiten mit experimentellen, herausfordernden und einzigartigen Stilen, um sich ständig weiterzuentwickeln. So etwas wie eine grafische Tradition im Comic gibt es bei uns nicht, weshalb fortwährend neue Genres und visuelle Eindrücke entstehen“, erklärt Kalle Hakkola, Leiter des finnischen Comic Centers in Helsinki.

Die finnische Comicszene ist seit einigen Jahren überaus aktiv und erfährt nicht nur durch das Engagement der jeweiligen Autoren ein rasantes Wachstum. 9,7 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr mit finnischen Comics umgesetzt. Darüber hinaus fördert der Staat die Comic-Kultur finanziell, sodass sich die Comicszene Finnlands im eigens eingerichteten Comic Center organisieren und von dort aus neue Geschichten und Zeichner unterstützen kann. Das Kulturministerium investiert 300.000 Euro pro Jahr in die heimische Comicszene. Auch FILI, Finnish Literature Exchange, fördert den Export finnischer Comics: Mit bis zu 1.000 Euro werden beispielsweise Übersetzungen und Druckkosten bezuschusst. Comics genießen in Finnland Kultstatus. Nicht umsonst findet jährlich im September in Helsinki das größte Comic Festival Nordeuropas statt.

„Ein erstes Zeichen für die immer weiter steigende Popularität der Comics ist, dass zwei der zehn kommerziell erfolgreichsten Bücher Finnlands im vergangenen Jahr Comics waren“, sagt Maria Antas, Literatur-Expertin von FILI. „Eine weitere Besonderheit, die die finnische Comicszene von denen anderer Länder unterscheidet ist, dass die meisten grafischen Erzählungen hier von Frauen gezeichnet werden“, so Antas weiter.

Die Bildergeschichten sind in Finnland nicht per-se etwas für Kinder und können durchaus ein erwachsenes Publikum anspruchsvoll begeistern. „Nebenbei scheuen sich viele Finnen nicht davor, zuzugeben, bei der Lektüre von Comics überhaupt erst das Lesen gelernt zu haben“, berichtet Kalle Hakkola.

Um Wegbereitern wie Tove Jansson – die in diesem Jahr 100 Jahre alt werden würde – Tribut zu zollen, wird Finnland als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse (8.–12. Oktober) dem Comic einen anspruchsvollen und mit internationaler Strahlkraft ausgestatteten Rahmen geben. Zahlreiche junge Comiczeichner werden vor Ort sein, um die bunte Vielfalt ihres Landes vorzustellen. Darunter der renommierte Ville Tietäväinen, dessen sozialkritische Graphic Novel „Unsichtbare Hände“ (erschienen 2014 im avant Verlag) von dem marokkanischen Flüchtling Rashid erzählt, der illegal in Südspanien Arbeit sucht, um seine Familie ernähren zu können. Für dieses zwanglose Werk wurde er mit dem Comic-Finnlandpreis ausgezeichnet. Bereits ein Jahr zuvor wurde ihm der Preis des finnischen Kulturfonds überreicht.

„Es ist sehr schön anzusehen wie Graphic Novels auch in Deutschland immer mehr Freunde finden – das Potential in dieser künstlerischen Erzählform ist sicher noch lange nicht ausgeschöpft“, freut sich Ville Tietäväinen über den hohen Zuspruch für Comics und Graphic Novels in Deutschland.

Neben sozialkritischen und ernsten Themen behandelt die gemeinhin wohl bekannteste Comicform, der Comic-Strip, kontroverse Themen mit beißendem Humor (beispielsweise „Fingerpori“) – ganz im traditionellen Stil der Underground-Comics. Dazu führt Kalle Hakkola vom Comic Center aus:

„Die erfolgreichsten Comics sind jene, die vor der Veröffentlichung als Buch in der Zeitung erschienen. Finnland selbst ist mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern ein sehr kleiner Markt, weshalb die Autoren ihre Comics thematisch direkt international ausrichten. Aus diesem Grund sind sie weltweit verständlich und die Inhalte in jeder Kultur aktuell.“

Um die Reputation und Bekanntheit des Comic im Allgemeinen – und den finnischen Erzählungen im Speziellen – zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, besuchen die finnischen Künstler im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse eine Reihe von Veranstaltungen im deutschsprachigen Europa. Darunter das Comic Festival Fumetto, das vor kurzen im schweizerischen Luzern ausgerichtet wurde. Ville Tietäväinen war bereits im Mai beim Literarischen Colloquium (LCB) in Berlin zu Gast. Im Anschluss daran wird im Juni der Internationale Comic Salon in Erlangen (vom 19.–24. Juni) ausgerichtet. Mit dabei sind hier u.a. die finnischen Künstler JP Ahonen, Mika Lietzén und Reetta Niemensivu. Die Ausstellung „Ein Mittsommernachtstraum“ im Kunstverein – Neue Galerie widmet sich den jungen Comics aus Finnland, in das Rathaus von Erlangen werden die Mumins im Rahmen der Ausstellung „100 Jahre Tove Jansson“ einziehen.

Einen guten Einblick in die finnische Comicwelt bietet der Comic Atlas Finnland, der bereits zu Jahresbeginn im Reprodukt Verlag erschien. Die Herausgeber Kalle Hakkola und Sascha Hommer geben in dieser Anthologie durch Beiträge von Künstlern wie Roope Eronen, Matti Hagelberg, Jarno Latva-Nikkola, Mika Lietzén, Hanneriina Moisseinen und vielen Weiteren auf 240 Seiten einen bunten Abriss der avantgardistischen Comicszene Finnlands. Um die literarischen Bande zwischen Finnland und Deutschland in Sachen Comic noch weiter zu stärken wird vom 5.-7. September Deutschland Ehrengastland auf dem Helsinki Comic Festival sein. Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2014 werden dann die Stars der finnischen Comicszene zu Gast sein, um dem deutschen Leser eine noch größere Bandbreite an eigenwilligen finnischen Comics zu präsentieren, die keinen einheitlichen Stil kennen und jeder für sich eine individuelle Qualität besitzt.

 

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